Krise – Reaktion – Entspannung – Selbstzufriedenheit – Krise

Nachfolgender Kapitalmarktausblick ist ein Auszug von „markt aktuell“ des Bankhauses Metzler. Das vollständige Dokument können Sie hier abrufen.

Europäische Zentralbank muss auf die Konjunkturrisiken reagieren

Eurozone: „Grexit“ wird immer wahrscheinlicher Griechenland dürfte mit aller Wahrscheinlichkeit noch in diesem Jahr die Eurozone verlassen. Wenn die linksradikale Syriza die Wahl am 17. Juni gewinnen sollte, dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) die Finanzierung der griechischen Banken einstellen und Griechenland damit zu einem „freiwilligen“ Austritt aus der Eurozone zwingen. Ohne EZB-Hilfen kann das griechische Bankensystem im Euroraum nicht überleben. Für den Fall, dass die reformfreundlichen Kräfte die Wahl gewinnen sollten, bräuchte Griechenland ein drittes Rettungspaket, weil das Land die Vorgaben aus dem zweiten Rettungspaket nicht erfüllt hat. Die Bereitschaft der Mitgliedsländer der Europäischen Währungsunion (EWU) und des Internationalen Währungsfonds (IWF), ein drittes Rettungspaket für Griechenland zu schnüren, dürfte jedoch nur sehr schwach ausgeprägt sein. Auch unter diesen Voraussetzungen dürfte die EZB die Finanzierung des griechischen Bankensystems einstellen.

Was wären die Folgen eines griechischen Austritts? Einerseits könnte sich die Lage wieder von alleine beruhigen, da der Problemfall Griechenland die Eurozone nicht mehr belasten würde. Allerdings halten wir die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Szenario eintreten wird, für eher gering. Wahrscheinlicher sind unseres Erachtens Ansteckungseffekte auf andere Mitgliedsländer in der Eurozone. Die Sparer in den anderen EWU-Mitgliedsländern könnten auch einen Austritt ihres Landes aus der EWU befürchten und versuchen, ihre Ersparnisse von den Banken abzuziehen und in Sicherheit zu bringen. Die EZB müsste in diesem Fall mit umfangreichen Liquiditätsschritten das Bankensystem in der Eurozone stabilisieren – und vielleicht sogar bei der Kreditvergabe an die Banken temporär auf Sicherheiten verzichten.

Darüber hinaus dürften Banken aus Ländern an der Peripherie der Eurozone mit Geldern aus der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) oder aus dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) rekapitalisiert werden. Auch dürften Eurobonds in einer mit dem Maastricht-Vertrag in Einklang stehenden Form und eine europäische Einlagensicherungsfazilität auf EU-Ebene beschlossen werden. Die Eurobonds und die europäische Einlagensicherungsfazilität wären notwendig, um die Währungsrisikoprämie in der Eurozone zu eliminieren.  Wegen der heftigen Marktturbulenzen in den vergangenen Wochen könnten Politiker schon an diesem Wochenende erste Absichtserklärungen in Richtung einer Fiskalunion und von Eurobonds öffentlich machen.